Heike Schülein 03.08.2026 – 16:00 Uhr
Der Heimatabend lockt auch heuer wieder die Massen nach Wilhelmsthal. Beim mehrstündigen Programm reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt. Leider ist allerdings auch „Abschiednehmen“ angesagt.
Der Heimatabend bleibt ein Besuchermagnet, der auch bei seiner 61. Auflage alles umfasste, was man begeisterten Freunden der Volkskultur nur bieten kann: verschiedene Plattler- und Tanzgruppen jeden Alters, Musik, Tanz, ein Brillant-Feuerwehr und eine Stimmung, wie es sie eben nur in Wilhelmsthal gibt. Das bestätigte auch der Moderator Thomas Auer, der bereits zum 26. Mal – leider letztmalig – im gut gefüllten Zelt im idyllischen Grümpeltal durch das Programm führte.
Schlag auf Schlag wechselten sich mitreißende Trachten- und Figuren-Tänze sowie Musik in bunter Reihenfolge ab. Die „Trachtenzwerge“ – die Jungs stilecht in feschen Lederhosen und die Mädels in schicken Dirndl – waren auch heuer wieder der Hingucker schlechthin. Mit strahlenden Gesichtern wirbelten sie nur so über die Bühne, darunter natürlich auch beim obligatorischen „Zillertaler Hochzeitsmarsch“. Hierfür gab es ebenso donnernden Applaus des Publikums wie auch für die etwas älteren Heimatfest-Fans der Kinder- beziehungsweise Jugend-Trachtengruppe, deren temperamentvollen Tänze – ebenfalls unter Leitung von Sandra Kittel und Martin Tanzmeier – gebührend gefeiert wurden.
Plattler lassen das Festzelt beben
Bei aller Begeisterung für die Kleinen sind natürlich die Plattler und die Trachtengruppe, für die Lucas Münzel und Niko Vogel verantwortlich zeichnen, nicht zu vergessen: Mit beliebten Schuhplattlern, bei denen es wie beim „Holzhacker“- und „Watschn-Plattler“ schon einmal etwas derber zugehen konnte, sowie traditionellen, oftmals mit allerhand „Einwicklungen“ und „Verknotungen“ verbundenen Figurentänzen ließen sie einmal mehr das Festzelt erbeben.
Sie alle zauberten ein unterhaltsames Potpourri aus Brauchtum und Traditionspflege auf die Bühne, von dem das Publikum nicht genug bekommen konnte – wie natürlich auch von der schmissigen musikalischen Umrahmung. Für diese zeichnete in gewohnter Weise die Trachtenkapelle Wilhelmsthal unter Leitung von Michael Gack verantwortlich, die abermals Stimmungsmusik vom Feinsten bot. Nicht fehlen durften dabei Stücke wie „Eine letzte Runde“, die legendäre „Südböhmische Polka“, „Traum einer Marketenderin“, „Böhmische Liebe“ und der „Deutschmeister-Regimentsmarsch“.
Jahrgangsmäßig bunt gemischtes Publikum
Der Vorsitzende des gastgebenden Musikvereins Wilhelmsthal, Marcel Bayer, freute sich über ein zahlreiches, jahrgangsmäßig bunt gemischtes Publikum. „Wenn wir heute Abend von Heimat sprechen, dann meinen wir nicht nur unseren Ort. Heimat entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, sich ehrenamtlich engagieren und Traditionen an die nächste Generation weitergeben“, bekundete der Vorsitzende. Genau das möchte man an diesem Abend vorleben. Was man dabei erlebe, sei weit mehr als ein Bühnenprogramm – sondern das, was unsere Heimat und Gemeinschaft ausmache, zeigte er sich ebenso stolz wie dankbar.
Dem konnte sich Thomas Auer – bekennender Fan des zweitgrößten Fests im Landkreis Kronach – nur anschließen. Er sei deshalb so unheimlich gern in Wilhelmsthal, weil er mit dem Heimatfest Spaß und Vereinskultur verbinde. Eine große Freude sei es ihm, dass er schon so viele Akteure über die Jahre hinweg auf ihren Weg in die einzelnen Gruppen habe begleiten dürfen. „Wenn ihr in Wilhelmsthal auf etwas stolz sein könnt, dann auf euren Ort und auf alle Trachtler, die auf der Bühne stehen“, rief er ins Publikum.
Leider war in diesem Jahr „Abschiednehmen“ von ihm in seiner Funktion als Moderator des Heimatfests angesagt, das er seit 1999 nur unterbrochen von den beiden Corona-Jahren – also 26 Mal – moderiert hatte. Ein großes Anliegen war es dem Musikvereins-Ehrenvorsitzenden Thomas Steininger, Thomas Auer und auch dessen Frau Anita herzlich für diese jahrzehntelange Treue zu danken.
Qualitativ hochwertige Bühnenshow
„Es war ein Anruf, ohne viel Überzeugungsarbeit, die Sache war geritzt, und unser Thomas hat spontan zugesagt“, erinnerte sich Thomas Steiniger zurück an das Jahr 1999, als in Wilhelmsthal die Idee geboren wurde, den Heimatabend durch eine professionelle Moderation etwas besser in Szene zu setzen. Damals habe er nicht lange nachdenken müssen, wer dafür bestens geeignet wäre. Seitdem habe Thomas Auer jeden Heimatabend moderiert, dafür auf andere Veranstaltungen verzichtet und auch öfters – so wie in diesem Jahr – sogar seinen Urlaub verschoben. Jetzt wolle es dieser aber etwas ruhiger angehen lassen.
„Ich war 26 Jahre lang sehr gerne Inhalt der Heimatabende. Ich war aber nur der Moderator. Alles andere passiert hier auf der Bühne – und das ist qualitativ hochwertig. So etwas findet man in ganz Nordbayern oder vielleicht sogar in ganz Bayern nicht mehr“, gab Thomas Auer den Dank zurück. Neben kleinen Geschenken wurde ihm zum Abschied eine besondere Ehre zuteil, nämlich die „Hauptrolle“ im „Sensen-Tanz“, bei dem ja bekanntermaßen der Hauptprotagonist schließlich das Herz der charmanten Emily erobert.
Großes Brillantfeuerwerk
Ein wahrlich einzigartiger Anblick erwartete alle Besucher kurz nach 23 Uhr, als sie zum großen Jubiläums-Brillantfeuerwerk entlassen wurden. Bunte Wasserfälle ergossen sich auf die Erde. Abertausende von silbernen Funken explodierten und glitzernden Strahlen regneten in Hülle und Fülle – und das alles über den zauberhaft beleuchteten Häusern!
Eingebettet war der heuer ausnahmsweise an einem Sonntag stattfindende Heimatabend in das Kreismusikfest, mit dem der Musikverein an fünf herrlichen Festtagen sein 130-jähriges Bestehen gebührend feierte: ein Jubiläum, das seinen Platz in den Annalen des schmucken Bergdorfs sicher hat.
Jubiläum des Musikvereins
Seinen Beginn hatte das Festjahr in Wilhelmsthal mit dem Jubiläumskonzert am 2. Mai dieses Jahres gefunden. In diesem Rahmen wurden auch zahlreiche langjährige aktive und passive Mitglieder geehrt. Leider konnten dabei Markus Schneider und Christina Reißig nicht anwesend sein, deren Ehrung der 2. Musikvereins-Vorsitzende Johannes Friedlein mit Bürgermeisterin Susanne Grebner sowie dem NBMB-Kreisvorsitzenden Alexander Klug nun nachholte.
Markus Schneider ist mittlerweile Tubist im Ruhestand, nachdem er 40 Jahre lang beim Musikverein aktiv war. Alexander Klug verlieh ihm hierfür die NBMB-Ehrennadel in Gold. Zudem wurde er aufgrund seiner 50-jährigen Vereinszugehörigkeit, davon über 40 Jahre als aktiver Musiker, wie auch seiner langjährigen Tätigkeit in der Vorstandschaft und sein Engagement rund um das Heimatfest über die Jahre hinweg zum Ehrenmitglied ernannt.
Die gleiche Ehre wurde auch Christina Reißig zuteil, die schon von klein auf als Plattlerin auf der Bühne stand, darunter 25 Jahre zusätzlich als Leiterin der Kindertrachtengruppen. Als Helferin ist sie beim Heimatfest insbesondere im Barbereich nicht mehr wegzudenken. Über lange Jahre war sie auch in der Vorstandschaft und in den Ausschüssen aktiv.